Bild mit Kdr IT-Btl 292 und Teilen des Kreisvorstandes Schwaben-Nord von links:
Wolfgang Zinnecker, Markus Müller, OTL Markus Krahl, Werner Wölfel

Klaus Wittmann, Brigadegeneral a.D., hält in der Dillinger Luitpold-Kaserne ein beeindruckendes, aber auch ein bedrückendes Referat
Von  Horst von Weitershausen

Eindrucksvoll aber auch ein wenig bedrückend wirkte der sicherheitspolitische Vortrag auf die zahlreich geladenen Gäste beim Neujahrsauftakt des Informationstechnikbataillons 292 in der Luitpold-Kaserne Dillingen. Brigadegeneral a.D. Klaus Wittmann sprach beim Neujahrs-auftakt die Gefahren für die internationale Ordnung an und bezog zentrale Einzelaspekte mit ein.

Wittmann ist Referent am Fellow Senior Aspen Institute Deutschland. Seiner Meinung nach waren die USA bereits unter Präsident Barak Obama eine tief zerrissene Nation gewesen, was Donald Trump mit seiner „American First“–Besessenheit ins Präsidentenamt gehievt habe. Dadurch haben sich die USA zur Freude von Russland und China mehr und mehr aus der weltweiten Verantwortung zurückgezogen; so General a.D. Wittmann. Darüber hinaus hätten auch die von Trump entfachten Handelskriege, die Aufkündigung des Iran-Abkommens; der Rückzug aus dem Syrienkrieg und die Sicht auf die Nato als seine private Sicherheitsfirma nicht zur Stabilisierung der Welt geführt. China suche; wie seinerzeit Kaiser Wilhelm II. für sein Land; den Platz an der Sonne. Das Land durchdringe mit seiner sogenannten Afrikahilfe bereits den gesamten Kontinent, wodurch sich die Machtverhältnisse in der Welt immer mehr verschieben.

Putin sollte man verstehen lernen

Dies verfolge auch Russlands Präsident Wladimir Putin der in seinem „Einkreisungswahn“ eine demokratische Entwicklung in der Ukraine als existenzielle Bedrohung für Russland betrachte. Dies zeige sich in seiner Politik, der militärischen Überlegenheit, mit der er, wie schon in der Ost-Ukraine auch jüngst wieder im Asowschen Meer aufgezeigt, vor militärischer Gewalt nicht zurückschrecke. Daher sei es gerade für Europa wichtig, Putin zu verstehen. Denn ohne die Kooperation mit Russland gebe es keine Sicherheit für Europa. Ein Europa, das seinerseits unter der Renationalisierung der Politik in Ungarn, Polen, Rumänien und am Brexit leide. „Daher muss Europa die Anstrengungen für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik verstärken“, forderte Dr. Wittmann. Die Nato dürfe dabei als militärisches Bündnis nicht aufgegeben werden. Deutschland müsse sein finanzielles Engagement in dem Bündnis vielmehr und die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr erhöhen, um so zur Stabilisierung der östlichen Nato-Mitgliedsstaaten beizutragen.

Der Klimawandel sei in Zukunft ebenso sicherheitsrelevant wie die weltweiten sozioökono-mischen Probleme, die sicher nicht weniger werden, sagte der Brigadegeneral a.D. Weder Migranten noch Flüchtlinge aus Krisengebieten könne man aufhalten. Dies wiederum rufe immer häufiger Populisten auf die politische Bühne, weshalb kreativ über die Risiken nachgedacht werden müsse. Dabei müssten neben den Experten auch die Bürger an der sicherheitspolitischen Diskussion beteiligt werden.

200.000 Besucher werden zum Tag der Bundeswehr in Dillingen erwartet

Eröffnet wurde der sicherheitspolitische Neujahrsauftakt vom Kommandeur des Informations-technikbataillons 292 und Standortältesten Dillingen und Donau-Ries, Oberstleutnant Markus Krahl. In Anwesenheit von zahlreichen Vertretern aus Kommunalpolitik, Geistlichkeit, der Wirtschaft, des öffentlichen Lebens und u. a. des Reservistenverbandes, verwies der Kommandeur auf die Planungen und Vorbereitungen für den Tag der Bundeswehr am 15. Juni am Standort Dillingen. An diesem Tag, so Oberstleutnant Krahl, erwarte der Standort rund 20000 Besucher, die mit einem tollen Programm inklusive anschließendem Stadtfest begeistert werden sollen. Im weiteren Verlauf seine Rede informierte er über die anstehenden Auslandseinsätze, die aus sicherheits-politschen Gründen notwendig seien. Denn das Gefährdungsspektrum für Frieden und Sicherheit sei vielfältiger und unberechenbarer denn je. Krahl zählte transnationalen Terrorismus, zwischenstaatliche Konflikte, fragile Staatlichkeit, Klimawandel, humanitäre Katastrophen sowie unkontrollierte und irreguläre Migration auf. Zu konventionellen Bedrohungen kämen zudem neue Herausforderungen wie hybride Kriegsführung und Angriffe im Cyberraum.

 

Bild: IT-Btl 292, Burghart

Text: Dillinger Zeitung, Horst von Weitershausen / W. Wölfel